Die irischen Frauen von Ravensbrück
In den letzten Jahren sind die Geschichten einiger irischer Frauen, die in Ravensbrück inhaftiert waren, ans Licht gekommen. Ravensbrück war das größte Frauenkonzentrationslager in Nazi-Deutschland, das 1939 von der SS errichtet wurde.
Die ersten Häftlinge wurden im Mai 1939 in Ravensbrück inhaftiert. Im Januar 1945 zählte das Lager mehr als 50.000 Häftlinge aus über 30 Ländern. Zwischen 1939 und 1945 waren insgesamt über 120.000 Frauen und Kinder dort inhaftiert. Fünf von ihnen, von denen wir wissen, waren Iren.
Diese tapferen Frauen gehörten während des Zweiten Weltkriegs verschiedenen Gruppen des antifaschistischen Widerstands in Frankreich und Belgien an und wurden wegen ihrer Widerstandstätigkeit verhaftet und nach Ravensbrück deportiert.
Im Februar 2025 fanden in der irischen Botschaft in Berlin zwei Veranstaltungen zum Gedenken an diese Frauen statt.
Am 19. Februar fand in der Botschaft eine Podiumsdiskussion statt. Das Podium bestand aus Dr. Andrea Genest, Direktorin der Gedenkstätte Ravensbrück, Catherine Fleming, Biografin von Schwester Kate McCarthy, und der Autorin Margo Gorman. Die Redner gaben einen Einblick in die Geschichte von Ravensbrück und erzählten von den täglichen Solidaritäts- und Widerstandshandlungen der Häftlinge, selbst unter den unmenschlichsten Bedingungen.
Am 20. Februar koordinierte die Botschaft einen Gruppenbesuch und eine Führung durch die Gedenkstätte Ravensbrück, die es den Teilnehmern ermöglichte, auf dem, was sie bei der Veranstaltung in der Botschaft über Ravensbrück gelernt hatten, aufzubauen. Die Fotos in diesem Artikel wurden alle während dieses Besuchs in der Gedenkstätte Ravensbrück aufgenommen.
Hier finden Sie einen Einblick in das, was wir über die irischen Frauen wissen, die in Ravensbrück inhaftiert waren:
Schwester Katherine (Kate) McCarthy
Schwester Kate wurde in Drimoleague, Co. Cork, 1895 geboren und trat im Alter von 18 Jahren in Cork in den Franziskanerorden ein. Sie wurde nach Béthune in Frankreich versetzt und pflegte im Ersten Weltkrieg verwundete Soldaten.
Während des Zweiten Weltkriegs verhalf Schwester Kate Berichten zufolge bis zu 200 alliierten Soldaten zur Flucht aus dem besetzten Frankreich. Ihre Arbeit wurde entdeckt und sie wurde im Juni 1941 von der Gestapo verhaftet. Nach einem Jahr Einzelhaft wurde Schwester Kate in verschiedenen Konzentrationslagern und Gefängnissen festgehalten, bis sie schließlich in Ravensbrück landete.
Nach der Befreiung von Ravensbrück im Jahr 1945 wurde sie entlassen und vom Schwedischen Roten Kreuz nach Schweden gebracht. Später wurde ihre Arbeit von den Franzosen mit der Médaille de la Résistance gewürdigt, die ihr von Charles de Gaulle persönlich überreicht wurde. Auch die Briten zollten ihr Anerkennung: Sir Winston Churchill und der Generalstabschef der Royal Air Force überreichten ihr eine Ehrung.
Schwester Kate kehrte nach Cork zurück und wurde Mutter Oberin im Honan-Kloster. Sie starb 1971 und ist auf dem St. Finbarr's Cemetery in Cork begraben.
Die irische Autorin Catherine Fleming hat eine Biografie über Schwester Kate McCarthy geschrieben und dieses Interview in Myles Dungans The History Show gegeben. Einen von der Skibbereen and District Historical Society veröffentlichten Überblick über das Leben und Wirken von Schwester Kate finden Sie hier.
Catherine Crean
1879 in Dublin geboren, zog Catherine Crean um 1910 nach Brüssel. Sie schloss sich dem belgischen Widerstand als Mitglied des „Luc Network“ an und half alliierten Fliegern, nachdem diese in Brüssel abgeschossen worden waren.
Im Rahmen dieser Arbeit reiste sie zwischen sicheren Häusern in der Stadt hin und her und lieferte Lebensmittel und Kleidung an die alliierten Soldaten aus. Außerdem gab sie den Mitgliedern des Widerstandsnetzes Englischunterricht.
Catherine wurde verraten, verhaftet und schließlich 1943 nach Ravensbrück gebracht. Dort soll sie 1945, kurz vor der Befreiung des Lagers, an Ruhr gestorben sein.
Mary Cummins – spätere Gräfin Mary de Galway O'Kelly
Mary Cummins wurde 1905 in Dublin geboren. Sie zog nach Belgien, wo sie als Englischlehrerin und Übersetzerin in der kanadischen Botschaft in Brüssel arbeitete, bevor sie sich dem belgischen Widerstand anschloss. Das Netzwerk, dem sie angehörte, übermittelte Informationen über Truppenbewegungen an die französischen und britischen Streitkräfte. Mary selbst arbeitete als Übersetzerin und Waffenkurierin.
Mary wurde 1941 von der Gestapo in Brüssel verhaftet und zwischen zahlreichen Gefängnissen und Lagern in Deutschland hin-und hergeschoben, darunter auch Ravensbrück, während irische Diplomaten versuchten, ihre Freilassung zu vermitteln.
Der damalige irische Botschafter in Deutschland, Cornelius (Con) Cremin, soll Mary 1944 im Cottbuser Gefängnis besucht haben. Cremin wurde beim deutschen Auswärtigen Amt vorstellig und erreichte zunächst eine Erhöhung des Kleidergeldes für Mary und später ihre Freilassung. Mary wurde im Januar 1945 aus dem Gefängnis entlassen und wohnte Berichten zufolge eine Zeit lang bei Botschafter Cremin und seiner Familie.
Im Jahr 1946 wurde sie vom belgischen König Leopold und vom amerikanischen General Eisenhower ausgezeichnet. Im Jahr 1949 heiratete sie den Grafen Guy O'Kelly de Galway und zog mit ihm nach Irland.
Mary Cummins starb im Juni 1999 und wurde auf dem Glasnevin Cemetery in Dublin eingeäschert.
RTÉ’s Doc on One übertrug 1993 ein Interview mit Mary Cummins, welches man hier hören kann. Ihr Nachruf wurde hier in der Irish Times veröffentlicht.
Agnes Margaret Flanagan
Geboren in Birr, Co. Offaly im Jahr 1909, zog Agnes Margaret Flanagan im Alter von 21 Jahren nach Belgien.
Agnes wurde verhaftet, weil sie einen britischen Kriegsgefangenen versteckt hatte, und später wegen des Besitzes von Widerstandsdokumenten. Sie wurde aus Belgien deportiert um in Essen (Deutschland) vor Gericht zu stehen, und kam 1942 in das Konzentrationslager Ravensbrück.
Wie Schwester Kate McCarthy wurde sie 1945 vom Schwedischen Roten Kreuz aus dem Lager gerettet und nach Schweden gebracht.
Agnes kehrte in die belgische Stadt Tournai zurück, in der sie vor dem Krieg gelebt hatte, und heiratete später. Sie blieb bis zu ihrem Tod im August 1986 in Tournai.
History Ireland hat das, was über Agnes' Geschichte bekannt ist, in diesem Artikel zusammengestellt.
Mary O’Shaughnessy
Mary O'Shaughnessy wurde 1898 als Tochter irischer Eltern in Ashton-in-Makerfield, England, geboren. Als junge Frau zog sie nach Frankreich, wo sie zunächst als Gouvernante arbeitete.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs engagierte sie sich für die Flucht alliierter Soldaten aus dem besetzten Frankreich, insbesondere für Flieger, die über Frankreich abgeschossen worden waren. Durch ihre Widerstandstätigkeit wurde die Gestapo auf sie aufmerksam, und nachdem sie verraten worden war, wurde sie im März 1944 in Lyon verhaftet. Sie wurde deportiert und war bis zur Befreiung des Lagers 1945 in Ravensbrück inhaftiert.
Mary kehrte nach England zurück und sagte später bei den Kriegsverbrecherprozessen gegen 16 Ravensbrücker im Dezember 1946 in Hamburg aus. Sie starb 1973 im Vereinigten Königreich.